„Seit drei Jahren schreibe ich so gut wie täglich…“

Die Schülerin Luzie Kübler aus der FS 11d hat bereits bei mehreren Poetry Slams ihr großes Talent im Slammen gezeigt und aufhorchen lassen. In der Poetry Slam-Szene in Ingolstadt ist sie keine Unbekannte mehr. Und spätestens durch ihre Teilnahme am sog. Bayern Slam, den Bayerischen Meisterschaften, die vom 7.-9. Juni 2018 in Würzburg stattgefunden haben, hat sie sich in ganz Bayern einen Namen gemacht. Mit ihrem tollen Auftritt wusste sie vollends zu überzeugen und begeisterte das Publikum. Nur knapp scheiterte sie an der Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften. Allerdings wird Luzie Kübler bei Experten schon hoch gehandelt, dass sie dies in den folgenden Jahren durchaus schaffen könnte. Die Schülerin, die in diesem Schuljahr auch am Wahlkurs Poetry Slam teilgenommen hat, hat sich gerne unseren Fragen gestellt und gewährt dabei interessante Einblicke in ihre Leidenschaft für das Verfassen eigener Texte und das anschließende Performen auf der großen Bühne vor Publikum.
 
Hallo Luzie! Herzlichen Glückwunsch zu Deinem tollen Auftritt beim Bayern Slam! Beschreibe doch mal Deine Gefühlslage, was Dir durch den Kopf gegangen ist, als Du erfahren hast, dass Du an den Bayerischen Meisterschaften teilnehmen darfst.

Das weiß ich sogar noch ziemlich genau. Es war ein Sonntagabend und ich war gerade dabei den Abwasch zu machen. Ich hatte nichts geahnt, als mich die Nachricht erreichte. Das war einige Monate vor dem Auftritt und ich habe das in dem Moment irgendwie gar nicht glauben können. Ich hatte zwar schon Erfahrungen gesammelt, aber bei einem Event dieser Größe war ich noch nicht dabei gewesen. Mir sind zig Sachen durch den Kopf geschossen. Von „Hab ich da Schule?“ bis „Was pack ich mir zum Knabbern auf die Zugfahrt ein?“. 


Was ist denn Poetry Slam eigentlich genau?

Poetry Slam ist ein moderner Dichterwettstreit, bei dem ein Poet nach dem anderen seine Texte vorträgt. Die Regeln sind eigentlich ganz simpel. Der Text muss selbst geschrieben sein, Zitate sind erlaubt, müssen allerdings entsprechend markiert werden. Es gibt eine vorgegebene Zeit, die nicht überschritten werden darf. Beim Bayern Slam waren das sechs Minuten, manchmal sind es auch nur drei, manchmal sogar zehn. Außerdem darf man keine Hilfsmittel verwenden, um den Vortrag zu untermalen. Das bedeutet: Keine Kostüme, keine Instrumente, keine Requisiten. Ansonsten kann man machen, was man will. Wenn jemand also das Bedürfnis hat, einem Publikum mehrere Minuten lang zu erzählen, wie groß seine Abneigung gegen Knäckebrot ist, dann nur zu. Am Ende wird dann vom Publikum entweder durch die Lautstärke des Applauses oder durch eine Jury-Wertung entschieden, wer gewinnt. 


Wie lange schreibst Du schon Deine eigenen Texte und wie bist Du auf Poetry Slam aufmerksam geworden?

Fürs Schreiben interessiert habe ich mich schon etwa seit der zweiten Klasse. Da habe ich angefangen meine ersten Geschichten zu verfassen. Mit zehn, elf Jahren hat es dann so richtig angefangen, als ich begonnen habe, die ersten Texte im Internet zu veröffentlichen. Plötzlich habe ich das erste Mal Feedback bekommen und Leute haben sich gefreut, wenn ich wieder was Neues hochgeladen habe. Dabei habe ich dann viel gelernt und bin so richtig auf den Geschmack gekommen. Seit drei Jahren schreibe ich so gut wie täglich Play-by-Post Rollenspiele und komme somit gerne mal auf tausend Wörter am Tag. 
Das blieb auch an meiner alten Schule nicht unbemerkt und meine damalige Klassenleitung, die ich in Englisch und Religion hatte, kam deshalb auf mich zu. In Eichstätt gab es damals zum ersten Mal den Spirit-Poetry-Slam, der sich explizit mit Glaubensthemen auseinandersetzt. Sie schlug mir vor, dass ich dort teilnehmen könnte. Meine erste Reaktion war erstmal ziemlich abgeneigt. Ich war mir nicht sicher, ob meine Ansichten da so recht am Platz waren. Allerdings suchten sie nach kritischen Texten und dann fand ich es spannend. Poetry Slam war mir durch einen damaligen Bekannten ein Begriff. Ich habe mich also angemeldet, irgendwie den ersten Platz gemacht und seitdem lässt mich das Ganze nicht mehr los. 


Woher holst Du Dir Deine Inspiration für neue Texte?

Die Inspiration fische ich meistens beim Chillen aus der Couchritze. Manchmal finde ich auch ein wenig Kleingeld, dann freue ich mich besonders. Okay, Spaß beiseite. Ich weiß manchmal gar nicht so genau, woher das kommt. Ich denke halt an Dinge und schreibe sie auf. Viel hole ich mir aus meinem direkten Umfeld. Ich schreibe über die Sachen, die ich kenne und über die ich etwas erzählen möchte. Wenn ich eine neue Erfahrung mache und mir denke, dass vielleicht irgendwer davon profitieren kann, trage ich das vor. So in etwa war es bei meinem Text für die Meisterschaft. Manchmal werde ich auch von Musik inspiriert. Ich achte da dann auf die Texte und schau mir an, wie diese aufgebaut sind und performt werden. Da schaue ich mir dann ab, wie man einzelne Wörter und Sätze betonen kann und finde das ein oder andere Stilmittel, das mir gefällt. Oft denke ich mir dann: „Sowas will ich auch mal machen!“ Zurzeit würde ich sagen, dass „grim104“, „Heisskalt“ und „La Dispute“ ganz großen Einfluss auf mich haben. 


Gibt es irgendwelche Themen, die Du in Deinen Texten besonders gerne verarbeitest?

Lustige Texte sind nicht so mein Ding. Ich mag es lieber etwas düsterer und ernster. Außerdem erzähle ich gerne Geschichten mit den Texten. Ich glaube, meine Hauptthemen sind zurzeit mein Heimatort und wie es ist, abseits der Stadt und ohne Busverbindung aufzuwachsen. Auch über besondere und prägende Menschen, denen ich begegnen durfte, schreibe ich gerne. Für mich ist das ein Ventil, um Erlebtes zu verarbeiten. Oft versuche ich auch Dinge aufs Papier zu bringen, die mich wahnsinnig, wütend oder wahnsinnig wütend machen. Ab und an verirrt sich aber auch ein wenig Gesellschaftskritisches in meine Texte. Damit möchte ich allerdings nicht übertreiben. Ich komme mir mies vor, wenn ich mich hinstelle und den Leuten predige, sie sollten die Welt verbessern, und dann aber selbst eigentlich nur Zuhause rumhänge. 


Worin besteht für Dich die Faszination am Poetry Slam?

Die Vielfalt der Auswahl an Snacks im Backstage, genauso wie die Vielfalt an Texten. Du hast so gut wie keine Einschränkungen. Sei es bei der Vortragsweise oder bei der Themenwahl. Außerdem kann man nie genau sagen, wer denn nun der oder die Beste ist. Das ist eine reine Geschmackssache. Dieses ganze Wettkampfding ist den meisten absolut unwichtig und das ist wirklich angenehm. Ich finde es toll zu hören, was andere beschäftigt, vor allem dann, wenn es Leute sind, die man vom ersten Eindruck her gar nicht einschätzen kann. Außerdem mag ich das Gefühl, in ein Mikrofon zu schreien. Das hat etwas Befreiendes.


Hand aufs Herz, hast Du eigentlich vor Deinen Auftritten noch Lampenfieber?

So direkt davor nicht mehr, da werde ich dann meistens ganz ruhig. Einen Tag davor bin ich allerdings kaum auszuhalten. Einen Abend vor dem Bayern Slam musste ich mich zusammenreißen, nicht nochmal einen komplett neuen Text mitzunehmen und den vorzulesen. Ein paar Stunden vor dem Auftritt bin ich dann auch nochmal ein wenig hibbelig, das ist aber mehr Vorfreude, glaube ich. Spätestens wenn der Slam beginnt, ist es aber weg. Dann bin ich nämlich schon von den Texten der anderen gefesselt. 


Muss man eigentlich im Fach Deutsch gut sein, um fürs Slammen geeignet zu sein oder steht die Tür für alle offen?
Nein, das muss nicht zwingend sein! Klar, ein wenig Interesse für Literatur, Interesse an Sprache und am Schreiben sollte man mitbringen, aber es erwartet keiner, dass man Textanalysen und Argumentationen schreibt. Darüber machen sich manche Slammer sogar ein wenig lustig. Man muss seine Texte auch nicht in althochdeutsch und mit perfektem Reimschema verfassen. Sicherlich macht so etwas auch ganz schön was her und es kann unterhaltsam sein. Wenn man mit einer ganz alltäglichen Wortwahl Geschichten über einen walisischen Goldhamster erzählt, kann das aber auch echt gut werden! Ich zum Beispiel habe ein richtig hartes Problem mit Kommasetzung. Mein Textblatt sieht aber niemand aus dem Publikum und Kommafehler kann man nicht hören. 


Vielen Dank, Luzie, dass Du unsere Fragen so ausführlich beantwortet hast! Wir wünschen Dir weiterhin viel Freude beim Performen auf der Bühne und drücken Dir die Daumen, damit es schon bald mit der Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften klappt!

 
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