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Berufliche Oberschule Ingolstadt
Staatliche Fachober- und Berufsoberschule

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Zeitzeugengespräch mit Aribert Martin (GSG 9)

Eindrucksvoll und eindringlich schilderte Aribert Martin, ehemaliges Mitglied der Spezialeinheit GSG 9, seine Erlebnisse bei der Befreiung der Lufthansa-Maschine „Landshut“. Vor Schülerinnen und Schülern mehrerer Klassen der FOSBOS Ingolstadt (u. a. FW13, FIW13a, FS13b, FT13b, BT13 und FT11c) berichtete er von den dramatischen Ereignissen des sogenannten „Deutschen Herbstes“ 1977.

Kurz nach dem Start auf Mallorca war das Flugzeug am 13. Oktober 1977 von palästinensischen Terroristen entführt worden. An Bord befanden sich 91 Passagiere und Besatzungsmitglieder. Die Entführer forderten die Freilassung führender Mitglieder der RAF, darunter Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Die damalige Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt entschied sich jedoch gegen Verhandlungen – und für einen militärischen Befreiungsversuch durch die GSG 9.

„Damit sollte einerseits signalisiert werden, dass sich der Staat nicht erpressen lässt und politische Forderungen nicht mit Gewalt durchgesetzt werden können“, machte Martin die damalige Haltung deutlich. Andererseits verringerte diese klare Positionierung die Überlebenschancen der Flugzeuginsassen dramatisch, da die Entführer so zu immer drastischeren Mitteln griffen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Besonders eindrücklich schilderte Martin ein Erlebnis, das ihn bis heute nicht loslässt. Nach der erfolgreichen Befreiung habe ein kleines Kind das Geschehen mit einfachen Worten beschrieben: „Dann hat es bumm gemacht und dann ist er umgefallen.“ Das Kind war Zeuge der Ermordung des Piloten Jürgen Schumann geworden. „Diese Worte machen das ganze Ausmaß der Situation deutlich“, sagte Martin.

Das von Pierre Kröseler von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit moderierte Gespräch bot den Schülerinnen und Schülern nicht nur einen unmittelbaren Einblick in ein zentrales Ereignis der deutschen Geschichte. Es regte auch zum Nachdenken über grundlegende Fragen von Staat, Verantwortung und moralischen Entscheidungen an.

Martin betonte, dass Einsätze dieser Art weit mehr erfordern als nur technische Ausbildung: „Man braucht Resilienz, höchste Aufmerksamkeit, Vertrauen in die Kollegen – und auch eine gefestigte innere Haltung.“ In einer demokratischen Gesellschaft müsse man zudem akzeptieren, dass politische Entscheidungen nicht immer frei von Risiken seien. „Um in Freiheit leben zu können, müssen manchmal auch schwierige und unangenehme Entscheidungen getroffen werden“, so sein Fazit.

Text und Bilder: StR Tobias Auer