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Berufliche Oberschule Ingolstadt
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Woyzeck - Zwischen Wahnsinn und Gesellschaftskritik

Aufführungen des Schultheaters im Wahlfach: „SZENISCHES GESTALTEN“

Er ist getrieben. Er wird ausgebeutet. Er bricht. Georg Büchners Dramenfragment »Woyzeck« gehört zu den erschütterndsten Texten der deutschen Literaturgeschichte – und das Schultheater des Wahlfachs »Szenisches Gestalten« hat in diesem Frühjahr bewiesen, dass dieser Stoff nichts von seiner Aktualität verloren hat. Zwei Abende lang versetzten Schülerinnen und Schüler der Klassen 11 bis 13 (FOS/BOS) ihr Publikum in atemlose Stille.

Schon Wochen vor der Premiere sorgten ungewöhnliche Werbeplakate in den Schulfluren für Aufsehen. Entstanden sind sie in einer Kooperation mit dem Kunstunterricht der FOS-Klasse 11 unter der Leitung von Frau Sylvia Utz. Die Plakate verbanden klassische Dramatik mit modernen Gestaltungsmitteln und machten auf eindrucksvolle Weise neugierig auf das Stück.

Franz Woyzeck, gespielt von Lukas Frank (FS12), ist ein einfacher Soldat am untersten Rand der Gesellschaft. Neben ihm schleicht sein Schatten – verkörpert von Lucas Chelcea (FT13a) – als bedrückendes Spiegelbild durch das Geschehen. Verzweifelt versucht Woyzeck seine Freundin Marie, gespielt von Laura Rackl (FW13), und ihr gemeinsames Kind zu versorgen. Doch sein Alltag ist geprägt von Demütigung und Qual.

Sein Hauptmann,gespielt von Karim Sönmez (BW13), demütigt herablassend ihn nach Belieben. Ein skrupelloser Doktor, gespielt von Kilian Ponschab (BW13), missbraucht ihn als menschliches Versuchsobjekt für medizinische Experimente. Langsam, unaufhaltsam verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Wahn.

Als Woyzeck schließlich erkennt, dass Marie eine Affäre mit dem Tambourmajor beginnt – charismatisch und bedrohlich zugleich verkörpert von Patryk Lubos (ehem. FOS-Absolvent) –, bricht seine ohnehin brüchige Welt endgültig zusammen.

Das Bläserensemble unter der Leitung von Herrn Gerd Peters begleitete die Aufführungen musikalisch und gab den Szenen eine eigene, eindringliche Klangwelt, welches dem Stück eine absolute Professionalität verlieh. Licht- und tontechnisch wurde das Stück von Tobias Ecker (FW11e) sowie ,in Kooperation mit dem Katharinen-Gymnasium, von Moritz Schirmer und Daniel Meier äußerst kompetent und atmosphärisch in Szene gesetzt. 

Was das Publikum erlebte, war Theater, das bewegt. Berührend, intensiv, ohne Schönfärberei. Die Empathielosigkeit einer Gesellschaft, die Menschen wie Woyzeck einfach fallen lässt, wurde auf der Bühne so sichtbar, dass man sich unweigerlich die Frage stellen musste: Trägt der Einzelne Schuld – oder sind es die Umstände, die ihn formen und zerbrechen?

Büchners Text ist ein Plädoyer gegen Determinismus als Schicksal, das man einfach hinnimmt – und die Inszenierung des Wahlfachs machte dies mit einer Klarheit spürbar, die noch lange nachwirkt.

Text: StRin Julia Reich

Die Eindrücke der Aufführungen wurden fotografisch festgehalten von Leopold Theisen (FIW13b).

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